Lebenslage blinder und sehbehinderter Menschen mit einer zusätzlichen Hörschädigung

Antragsteller/in: Dr. Nadja Högner, Humboldt-Universität zu Berlin
Fördersumme: 3.000 €
Jahr: 2015

Zusammenfassung
Im Projekt wird das bisher pädagogisch wenig wissenschaftlich untersuchte Gebiet der Taubblindheit/Hörsehbehinderung betrachtet. Themen sind u. a. der Einsatz von Humor zur Stressbewältigung, die Häufigkeit von Depressionen und Suiziden betroffener Personen, die berufliche Teilhabe und Rehabilitation sowie die Anwendbarkeit spezifischer Apps mit dem iPhone und Tablet.
Im Rahmen der Förderung wurden mehrere Veröffentlichungen zu den genannten Themen (u. a. in Journal of Visual Impairment & Blindness, American Journal of Educational Research) und internationale Vortragsreisen (u. a. nach Boston, USA, Bukarest, Rumänien und St. Petersburg, Russland) finanziert.

Pädagogisch-psychologische Aspekte bei Blindheit/Sehbehinderung

Antragsteller/in: Dr. Nadja Högner, Humboldt-Universität zu Berlin
Fördersumme: 1.500 €
Jahr: 2014

Zusammenfassung
Im Rahmen des Projektes wird die psychosoziale Gesundheit blinder und sehbehinderter Menschen in den Blick genommen. Erforscht werden u. a. Belastungssituationen erwachsener Menschen sowie von Kindern in inklusiven Schulsettings und in der Sonderschule sowie die Verwendung moderner Technologien und ihre Bedeutung für die Betroffenen.
Im Rahmen der Förderung wurden mehrere Veröffentlichungen zu den genannten Themen finanziert.

Entwicklung und erste Evaluation eines Fragebogens zu Stresserfahrungen bei Usher-Syndrom Typ II

Antragsteller/in: Prof. Dr. Paul Nater, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Abt. Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
Fördersumme: 1.500 €
Jahr: 2009

Zusammenfassung
Die doppelte Schädigung des Hörens und Sehens bei Usher-Syndrom verursacht in Verbindung mit psychischen und sozialen Determinanten erhebliche Beeinträchtigungen der Aktivitäten und Partizipation, wodurch die Personen besonders gefährdet sind, Stress zu entwickeln.

Ziel der Studie ist die Entwicklung eines Fragebogens, der die Determinanten von Stress bei Personen mit USH2 in den bedeutsamen Lebensbereichen spezifisch erfasst. Aus den Ergebnissen sollen hörsehschädigungsspezifische Interventionsmaßnahmen postuliert werden, um die Betroffenen zur autonomen Integration zu befähigen und um deren Lebensqualität zu verbessern.

Untersuchungen zur adaptiven Leistungsfähigkeit des Bildschirmlesegeräts Visulex Eagle Pro bei verschiedenen Sehfunktionsstörungen

Antragsteller/in: Prof. Dr. Paul Nater, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Abt. Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
Fördersumme: 1.500 €
Jahr: 2010

Zusammenfassung
Bildschirmlesegeräte sind Hilfsmittel, die Personen mit höhergradiger Sehschädigung das Lesen ermöglichen sollen (assistive technology). Das BLG Visulex Eagle Pro ist die jüngste Entwicklung einer renommierten Firma für elektronische Sehgeschädigten-Hilfmittel. Es besteht in der Hauptsache aus den elektronischen Bauelementen Kamera zur Aufnahme von Vorlagen wie Texte oder Bilder, der Verarbeitungseinheit PC und dem Monitor zum Betrachten der adaptierten (z.B. vergrößerten) Vorlagen.

In kasuistischen Studien soll die Fähigkeit des Geräts, auf folgende Sehfunktionsstörungen flexibel einzugehen („adaptive Leistungsfähigkeit“), untersucht werden: Sehschärfeminderung, Gesichtsfeldausfälle, Lichtbedürftigkeit, Blendungsempfindlichkeit, verminderte Kontrastsensitivität (LCS) und Farbsinnstörung.

Zunächst werden die Sehfunktionsstörungen der Probanden (Kinder und Erwachsene mit Sehbehinderung) ermittelt. Dann wird mit der Voreinstellung des Geräts der individuelle Vergrößerungsbedarf für Lesen mit Anstrengung (minimum legibile) sowie der subjektiv gewünschte Vergrößerungsbedarf für längeres Lesen (Vergrößerungsbedarf „komfortabel“) ermittelt. Anschließend wird überprüft, ob das Gerät zusätzlich so eingestellt werden kann, dass die Auswirkungen der Sehfunktionsstörungen weiterhin gemildert werden können. Im positiven Fall würde sich dies darin äußern, dass die Schwellenwerte für den Vergrößerungsbedarf abgesenkt werden; es könnten kleinere Schriften gelesen werden.

Leben mit CHARGE-Syndrom

Antragsteller/in: Prof. Dr. Ursula Horsch, Pädagogische Hochschule Heidelberg
Fördersumme: 1.000 €
Jahr: 2011

Zusammenfassung
Eltern von Kindern mit seltenen Syndromen – wie es auch das CHARGE-Syndrom mit einer Prävalenz von ca. 1:10.000 ist – wissen häufig nicht, wie sie mit ihrem Kind in den Dialog treten sollen. Sie sind verunsichert und ihr Alltag ist geprägt von Tätigkeiten, die durch gesundheitliche Erfordernisse notwendig sind sowie von pflegerischen Handlungen. Eine harmonische Eltern-Kind-lnteraktion, wie sie sich zwischen einem Kind ohne Behinderung und seinen Eltern entwickeln kann, kann dadurch äußerst erschwert werden.

Über die Verunsicherung in den frühen dialogischen Interaktionen hinaus wird sowohl von Seiten der Eltern als auch von Seiten des Umfelds eines betroffenen Kindes gehäuft eine deutlich erhöhte Unsicherheit in Bezug auf die einzelnen Entwicklungsschritte berichtet. Es fehlen den Familien Beispiele dafür, wie die ersten Jahre in anderen Familien mit Kindern mit CHARGE-Syndrom verlaufen und – möglicherweise eine Folge des fehlenden Einblicks in andere Familienalltage – fehlt es ihnen zusätzlich, die Möglichkeiten zu sehen, die ihr Kind hat. Oftmals stehen die Behinderung und der damit assoziierte Kampf ums Überleben sowie etwaige weitere gesundheitliche Erfordernisse im Vordergrund, so dass es für die Familien schwer vorstellbar ist, wie die Entwicklung ihres Kindes sich ausgestalten könnte und was für Möglichkeiten ihnen zur Verfügung sowie welche Wege ihnen offen stehen.
Die Verunsicherung manifestiert sich auch in Fragen zur Zukunft des Kindes: Wie wird sich mein Kind später austauschen können, wie wird es mit den Menschen und der Umwelt in den Dialog treten? Welche Institutionen könnten adäquate Ansprechpartner sein? Was für Bildungsmöglichkeiten gibt es? Welche unterstützenden Alltagsmedien könnte ich noch einsetzen? Verhalte ich mich richtig oder mache ich zu viel, mache ich zu wenig? Wie kann eine optimale Unterstützung durch das Umfeld aussehen und wie kann diese gemeinsam mit dem Kind ausgestaltet werden? Was ist entscheidend in der Erziehung und Bildung meines Kindes?

Um Eltern und interessierte Fachkräfte einen Einblick in den Lebensalltag einer anderen Familie mit betroffenem Kind zu ermöglichen und so zahlreiche Fragen zu beantworten, die bei den Familien vorhanden sind, für die aber entweder der Ansprechpartner fehlt oder die letztendlich aus unterschiedlichen Gründen nicht gestellt werden, wurde eine Sammlung von Fotos und Videografien eines Kindes mit CHARGE-Syndrom und seinen Eltern vom ersten Lebenstag bis zum sechsten Lebensjahr (2004 – 2010) und somit bis zur ersten Zeit der schulischen Eingebundenheit erstellt.

Im Austausch mit Kollegen verschiedener Disziplinen aus unterschiedlichen Nationen wurde eine inhaltliche Auswahl getroffen, die für betroffene Familien einen besonderen Mehrwert darstellt, wenn sie zugänglich gemacht wird. Das vorläufige Konzept soll auf der diesjährigen CHARGE-Konferenz in den USA mit den führenden internationalen Wissenschaftlern und Pädagogen, insbesondere mit Prof. Dr. Hartshorne – selbst Vater eines betroffenen jungen Mannes mit CHARGE- Syndrom – und Dr. David Brown, weltweit anerkannter Tabublindenpädagoge mit Spezialgebiet CHARGE-Syndrom, im direkten Austausch nochmals diskutiert und konzeptionell endgültig finalisiert werden, um anschließend in die Erstellung der DVD überzugehen, die mit Hilfe eines Filmteams in Form eines circa 60 minütigen Videos beendet werden soll.

Auf Basis der vorliegenden Videodaten soll ein Film über die Entwicklung eines betroffenen Kindes mit CHARGE-Syndrom und dessen Familie über den Verlauf der ersten sechs Lebensjahre entstehen, der betroffene Eltern und interessierte Fachkräfte auf die in dieser Zeit zu bewältigenden Aufgaben vorbereitet, weitere Möglichkeiten durch Impulsgebung aufzeigt und eine Auseinandersetzung mit dem Leben mit CHARGE-Syndrom in den ersten Jahren ermöglicht.

Insbesondere für Familien, bei denen die Diagnosestellung erst vor kurzem stattgefunden hat, kann dieser Film als Unterstützung dabei dienen, eine positive und wertschätzende, das Kind – und nicht dessen Behinderung – in den Mittelpunkt stellende Sichtweise einzunehmen.

Kontakt
Prof. Dr. Ursula Horsch (Fakultät I)
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Dienstgebäude: Zeppelinstr. 3, 69121 Heidelberg

Frühe Dialoge von Menschen mit Hörsehbehinderung am Beispiel des CHARGE- Syndroms

Antragsteller/in: Prof. Dr. Ursula Horsch, Pädagogische Hochschule Heidelberg
Fördersumme: 5.050 €
Jahr: 2010

Zusammenfassung
Bei Säuglingen und Kleinkindern mit Hörsehbehinderung verändert sich das Dialogverhalten aufgrund der vorliegenden doppelten Sinnesbehinderung der Fernsinne erheblich. Um harmonische Dialoge weiterhin gewährleisten zu können, bedarf es Anpassungen in der materiellen und personalen Umwelt des Kindes. Vor allem sind ein hohes Maß an Kreativität und ein möglichst hohes Verständnis der Wahrnehmungssituation sowie der beim Kind entstehenden Wahrnehmungseindrücke von Seiten des Dialogpartners notwendig.

Bei Kindern, die vom CHARGE-Syndrom betroffen sind, potenziert sich der Schwierigkeitsgrad, da sie neben der häufig vorliegenden Seh- und Hörbehinderung auch Beeinträchtigungen im vestibulären, propriozeptiven, olfaktorischen und gustatorischen Bereich aufweisen und Schwierigkeiten in homöodynamischen Prozessen haben.

Darüber hinaus liegen zahlreiche organische Schäden vor wie bspw. schwere Herzfehler und Choanalatresie, was zu zahlreichen Operationen und damit verbunden zu häufigen Krankenhausaufenthalten führt. Dies nimmt wiederum Einfluss auf die Beziehung zu den Bezugspersonen. In der ersten Zeit, d.h. in den ersten Lebensmonaten oder –jahren liegt das Hauptaugenmerk auf den gesundheitlichen Erfordernissen des Kindes bzw. darauf, dass das Kind nicht stirbt. Aspekte des sozialen Miteinanders geraten oftmals aufgrund der Dringlichkeit der weiteren Problemfelder in den Hintergrund.

Ziel des Projekts ist es daher, frühe Dialoge zwischen Eltern und Kind in Form von Videoanalysen computerbasiert auf quantitativer und qualitativer Ebene zu untersuchen und die Ergebnisse national und international zur Diskussion zu stellen, um anhand dieser Grundlagenstudie weitere Impulse für die Forschung und in der Folge auch für den praktischen Umgang mit Kindern mit CHARGE-Syndrom geben zu können. Die Videodaten sowie erweiterte Randdaten zu 14 an der Studie teilnehmenden Eltern-Kind-Paaren in Form von Videographien wurden bereits im Zuge des Promotionsvorhabens erhoben. Auch sind bereits zahlreiche Analysen auf Makro- (Mittelwerte und Standardabweichungen, Korrelations- und Varianzanalysen) und Mikroebene (Übergangswahrscheinlichkeiten, Zeitreihenanalysen, bildbasierte Einzelfallanalysen) durchgeführt und erste Diskussionen und Interpretationsansätze geleistet worden. Jedoch fehlt der umfassende nationale als auch internationale Austausch. Dieser Austausch der eruierten Ergebnisse ist jedoch von herausragender Bedeutung, da die Literaturlage zum Themenkomplex CHARGE-Syndrom in Verbindung mit Aspekten der Kommunikation und des Dialogs als ausgesprochen rudimentär bezeichnet werden muss und die Daten ausschließlich durch einen intensiven Austausch umfassend erfasst und interpretiert werden können. Auch können nur auf diese Weise eine methodische Diskussion sowie Weiterentwicklung der verfolgten Methodik erreicht und die bereits vorliegenden Daten im Hinblick auf weitere bislang unberücksichtige Aspekte analysiert werden.

Kontakt
Prof. Dr. Ursula Horsch, Andrea Wanka (Fakultät I)
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Dienstgebäude: Zeppelinstr. 3, 69121 Heidelberg

Familienkurs für Familien mit sehgeschädigten Eltern

Antragsteller/in: Gudrun Badde, Bewegung in Dialog e.V.
Fördersumme: €
Jahr: 2010

Zusammenfassung
Der Familienkurs für Familien mit sehgeschädigten Eltern ist Teil der Konzeptentwicklung und Durchführung einer prozessorientierten Multiplikatoren-Fortbildung zur Entwicklung und Realisation eines bewegungsorientierten alltagsbezogenen Kursangebots für Familien mit sehgeschädigten Eltern. Im Familienkurs als Pilotkurs soll der Abgleich von Angebot, Angebotsform und Bedarfen der sehgeschädigten Eltern gewährleistet werden. Unsere Bezuggrößen hierfür sind: alltagsrelevante Themen, Anliegen, Fragen und Probleme hinsichtlich der elterlichen Aufgaben und ihrer Ziele.

Ziel der Multiplikatoren – Fortbildung ist, dass die TeilnehmerInnen Inhalte und Arbeitsansatz auf ihre Arbeitssituation übertragen und an ihren Einrichtungen Strukturen und Ressourcen schaffen können, die den im Kurs evaluierten Bedürfnissen der sehgeschädigten Eltern und deren Kinder gerecht werden.

Der Pilotkurs wird anhand der Reflektion der konkret im Kurs erlebten Angebote dazu dienen, im direkten Austausch mit der Elterngruppe, Themen und Fragen aus dem Alltag zu konkretisieren und hierfür passende Lösungen zu entwerfen. Dieser Austausch wird Grundlage für eine weitere Ausdifferenzierung des Kurskonzeptes sein, welches in einem weiteren Kursangebot umgesetzte werden soll. Außerdem werden die Ergebnisse Grundlage für eine Konzeption der ambulanten Unterstützung der Familien sein.

Ausgangslage und Problemstellung des Projektes
Die Idee eines Kursangebots für Familien mit sehgeschädigten Eltern wurde von Seiten betroffener Eltern als auch von Fachleuten an uns herangetragen. Familien mit blinden oder sehbehinderten Eltern werden oft von sinnesspezifischen Frühförder- und Beratungsstellen (z.B. in Hessen) betreut, obwohl die Kinder keine Behinderung zeigen. Dabei geht es vorrangig um die Unterstützung der blinden/ sehbehinderten Eltern im Umgang mit ihrem sehenden Kind. Für diese Aufgabe gibt es weder Konzepte noch handlungsweisende Richtlinien, an denen sich die KollegInnen orientieren könnten, was als großer Mangel empfunden und deren ungewünschte Auswirkungen beklagt werden. Insofern wird von Eltern wie Fachleuten gemeinsam gewünscht, Unterstützungsbedarfe und fachliche Kompetenzen zu einer besseren Passung zu bringen. Das Ziel eines Familienkurses, Eltern-kompetenzen durch die Gestaltung gemeinsamer Erlebniswelten von Kindern und Eltern zu stärken, wird von den Eltern sehr begrüßt. Diese Stärkung ist vor dem Erfahrungshintergrund sehgeschädigter Eltern, von Sehenden immer wieder kritisch beobachtet und bewertet zu werden, notwendig.

Kinder benötigen für eine gesunde Entwicklung vielfältige Bewegungsmöglichkeiten und -erfahrungen. Die Systemische Bewegungstherapie kann sehgeschädigte Eltern unterstützen, die Entwicklung ihrer Kinder durch kindgemäßes gemeinsames Bewegen und Handeln auch dahingehend zu fördern. Die bewegungsorientierte Entwicklung von Kommunikations- und Interaktionsweisen zwischen blinden Eltern und ihren sehenden Kindern hilft – so unsere Annahme – den Alltag so zu gestalten, dass trotz der Verschiedenheit ein gelingender, allseits förderlicher Umgang miteinander gelebt werden kann. Um dieses Miteinander so zu präzisieren, dass daraus ein hilfreiches Konzept entsteht, benötigen wir die Mitarbeit aller Beteiligten, d.h. die der Eltern und der Fachleute. Deshalb starten wir den Modellversuch: Familienkurs mit Familien mit sehgeschädigten Eltern.

Für die Unterstützungswünsche der Eltern und Kinder können letztlich erst in der direkten Kommunikation und Interaktion mit Eltern und Kindern Lösungen entwickelt werden. Das Projekt trägt den Erwartungen der Eltern bereits in der konzeptionellen Entwicklung Rechnung, indem die Familien in den Projektprozess mitgestaltend einbezogen werden. Die Zusammenarbeit von Familien und erfahrenen Fachleuten soll zu alltagsnahen und kompetenten Lösungen gemäß dem Leitmotiv „mit Familien für Familien“ führen.

Die Planung des ersten Kurses ist hinsichtlich der besonderen Interaktionssituation sehgeschädigter Eltern mit ihren sehenden Kindern und den hier ggf. auftauchenden Divergenzen z. B. zwischen den Spiel- und Bewegungsbedürfnissen der Kinder einerseits und den notwendigen Schutz und Sicherheit gewährleistenden Handlungsstrategien der Eltern andererseits hypothesengeleitet.

Charakteristik des Projektes
Dieses Projekt ist in hohem Maße innovativ, da es die individuelle Unterstützung sehgeschädigter Eltern erstmalig konzeptionell erarbeitet und in dem konkreten Angebot Familienkurs erprobt.
Es ist praxisorientiert ausgerichtet, da das Projekt die Erarbeitung und die praktische Durchführung des Kurses mit einer Fortbildung für Multiplikatoren verbindet und die Adressaten: „sehgeschädigte Eltern“ in den Prozess aktiv einbezieht. Durch den Transfer der Projektergebnisse in die Arbeitsfelder der FachkollegInnen hilft das Projekt, die bisherige Unterstützung strukturell und fachlich zu verbessern.
Es ist alltagsbezogen und setzt gezielt an den Bedarfen der Kundschaft an. Es stellt in Rechnung, dass Eltern und Kinder sich durch Interaktion zusammen entwickeln und setzt auf die Stärkung ihrer Zusammen-Handlungskompetenzen. Das gemeinsame Erleben der Familien im Rahmen des Familienkurses kann zudem zu langandauernden Kontakten und gegenseitiger Unterstützung der Familien führen. Je sicherer sich sehgeschädigte Eltern in ihrer Elternrolle fühlen, desto leichter wird es z. B. Angebote wie Spielnachmittage oder Ausflüge anzunehmen. Das Projekt setzt darauf, dass die Stärkung der Elternkompetenzen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schafft und damit auch die Bereitschaft der Eltern erhöht, sich in die sozialen Strukturen so z.B. auch in die Elternmitbestimmung von Kindergarten und Schule einzubringen. Die Mitwirkung in Gremien und/ oder die Partizipation an Familienangeboten fördert die Integration bzw. Inklusion dieser Familien und damit das bessere Verständnis für/von Menschen/ Eltern mit einer Sehschädigung, dies fördert auch die Chancen für eine positive Entwicklung der Kinder.

Evaluation und Fortführung des Kursangebote
Instrumente der Evaluierung werden verschiedene Fragebögen sein:

  1. Elternfragebogen im Vorfeld des Kurses:
    Einholen der Fragen und Themen, die sich aus dem Zusammenleben der Eltern mit ihren Kindern ergeben, und für die sie sich konkrete Unterstützung wünschen
  2. Elternfragebogen zur Kursreflektion:
    Auswertung des Kurses bzgl. Struktur, Inhalte, Atmosphäre, Zusammenarbeitsqualität, persönlicher Gewinn, vermutete Auswirkungen auf den Alltag
  3. Multiplikatorenfragebogen:
    zu den Prozessen der Kursentwicklung und Durchführung, zur Übertragbarkeit auf ihre jeweilige Institution/ Frühförderstelle mit Anpassung an die gegebenen Rahmenbedingungen, zur Befähigung der notwendigen Schritte.
  4. Elternfragebogen nach 12 Wochen:
    Welche Anregungen konnten im Alltag umgesetzt werden und wie? Wodurch kamen die Anregungen zustande? Was konnte nicht integriert werden? Was hätte hier ggf. geholfen?
  5. Multiplikatorenfragebogen nach 12 Wochen:
    Fragen zur Wirksamkeit der Fortbildung, zu ersten Schritten der Implementierung des Angebots, der Konzeption an der Einrichtung

Die genaue Entwicklung der Fragebögen wird Teil des Gesamtprojektes und der Multiplikatoren-fortbildung sein. Die Evaluation des Familienkurses wird vom Fachbereich Fakultät Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund wissenschaftlich begleitet.

Kontakt
Gudrun Badde, Sozialpädagogin,
Bewegung in Dialog e.V., Geschäftsstelle Nord
Papenbusch 51, 48159 Münster
Bewegung im Dialog e. V.

Orientierung und Mobilität (O&M)

Antragsteller/in: Prof. Dr. Paul Nater, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Abt. Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
Fördersumme: 8.000 €
Jahr: 2008

Zusammenfassung
Empirische Untersuchungen zur Überprüfung des Förderbedarfs im Bereich „Orientierung und Mobilität“ (O&M) mit dem Diagnoseverfahren TAPS bei blinden und sehbehinderten Schülern der Blinden- und Sehbehindertenschule und in der allgemeinen Schule.

Problemstellung
Es besteht in der BRD keine universitäre Ausbildung von Orientierungs- und Mobilitätsspezialisten mehr. Dies hat Konsequenzen für die Forschung in diesem Bereich und rückwirkend auch für die Qualität der O&M-Ausbildung von sehbehinderten und blinden Menschen.
Erziehung und Training in O&M gehört zum Bildungsauftrag für blinde und sehbehinderte Kinder, die sich an Schulen für Blinde und Sehbehinderte oder an allgemeinen Schulen befinden können. O&M-Bildung hat fundamentale Bedeutung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, deren Selbstbild und deren späteres Wirken in der Gesellschaft. Es ist dabei umso weniger verständlich, warum hierfür keine akademische Ausbildung – wie dies übrigens in den USA flächendeckend der Fall ist – in der BRD vorhanden ist. Der O&M-Bedarf blinder und sehbehinderter älterer Menschen ist ebenfalls noch nicht genügend erforscht.
Die geplante Studie soll zur theoretischen Begründung für die Implementierung eines Studienganges „O&M-Erziehung und -therapie“ beitragen.

Verfahren zur Erstellung taktiler Grafiken für Blinde

Antragsteller/in: Prof. Dr. Paul Nater, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Abt. Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
Fördersumme: 8.000 €
Jahr: 2007

Zusammenfassung
Im vorliegenden Projekt wurden Tastobjekte auf Folien mit denen auf Schwellkopien verglichen und bewertet. Dazu wurden 18 Tastfolien und 15 Schwellkopien hergestellt. 16 blinde Probanden testeten diese vor allem auf Lesbarkeit der Grafiken und der Blindenschrift. Sie beurteilten außerdem die Haltbarkeit der Trägermedien. Insgesamt wurden 117 Tastmedienpaare (jeweils Tastfolien und Schwellkopien) getestet. […]

Die Arbeiten, die diesem Bericht zu Grunde liegen, gliedern sich in zwei Gruppen:
Für den ersten Teil in Abschnitt 4 wurden 15 Tastgrafikpaare entworfen und hergestellt. Jeweils der eine Teil des Paares befindet sich auf einer Tastfolie, deren Grafik- und Textelemente auf mehreren Tastebenen verteilt sein können. Der andere Teil von jedem Paare befindet sich auf einer Schwellkopie, die nur eine Tastebene ausbilden kann. Beide Teile sollten weitestgehend den gleichen Inhalt haben. Durch die Eigenschaften der Schwellkopie musste der ursprüngliche Entwurf für Tastfolien, insbesondere wenn ein hoher Informationsinhalt vermittelt wurde, aufwendig reduziert werden. Die Paare wurden von 16 blinden Probanden unter anderen nach den Gesichtspunkten der Erkennbarkeit von Grafikelementen, der Erkennbarkeit der Schrift, der Zulässigkeit von Informationsreduktionen in Schwellkopien und der Haltbarkeit des Trägermaterials evaluiert. Da der zeitliche und technische Aufwand bei der Herstellung einzelner oder weniger Grafiken für Schwellkopien günstiger ist als für Tastfolien, können die vorliegenden Ergebnisse zur Entscheidungsfindung für die Wahl des Tastmediums herangezogen werden.
Der zweite Teil im Abschnitt 5 stellt die effiziente Herstellung von Schwellkopien sowie das Erreichen eines hohen Qualitätsstandards mit den vorhandenen Geräten in den Fokus. Die Qualität wird bereits beim Entwerfen, durch die Farbbeschichtung (Drucken und Kopieren) sowie durch die Handhabung des Schwellkopierers (Fuser) beeinflusst. Hierin werden die einzelnen Fertigungsschritte Drucken und Schwellkopieren betrachtet und Hinweise zur Eigenschaft und zur Handhabung der Geräte gegeben.
Herr Dr.- Ing. Gerd Schneider, Leiter des Arbeitsgebietes „Rehabilitationstechnik / Neue Medien“ im gleichen Institut unterstützte uns durch die Bereitstellung der Fräsmaschine zur Herstellung von Matrizen sowie der Tiefziehmaschine zum Formen der Tastfolien.

16 Mitglieder des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin gegründet 1876 e.V., einschließlich seines Geschäftsführers Herrn Manfred Scharbach stellten sich als Probanden geduldig und auch kritisch zum Testen der Grafiken bereit. Frau Jana Noack, selbst erblindet, belebte als Studentin durch ihr Engagement die Seminare „Entwerfen und Herstellen von taktilen Grafiken für Blinde“, die dieses Projekt begleiteten. Sie gab ihre Tasterfahrungen an die Seminarteilnehmer weiter und entwarf zusammen mit ihren Assistenten drei Tastgrafikpaare.
Ohne die Mitwirkung aller wäre die Arbeit nicht zu Stande gekommen. Allen Beteiligten, auch den Nichtgenannten, möchten wir unseren Dank aussprechen.