Frühe Dialoge von Menschen mit Hörsehbehinderung am Beispiel des CHARGE- Syndroms

Antragsteller/in: Prof. Dr. Ursula Horsch, Pädagogische Hochschule Heidelberg
Fördersumme: 5.050 €
Jahr: 2010

Zusammenfassung
Bei Säuglingen und Kleinkindern mit Hörsehbehinderung verändert sich das Dialogverhalten aufgrund der vorliegenden doppelten Sinnesbehinderung der Fernsinne erheblich. Um harmonische Dialoge weiterhin gewährleisten zu können, bedarf es Anpassungen in der materiellen und personalen Umwelt des Kindes. Vor allem sind ein hohes Maß an Kreativität und ein möglichst hohes Verständnis der Wahrnehmungssituation sowie der beim Kind entstehenden Wahrnehmungseindrücke von Seiten des Dialogpartners notwendig.

Bei Kindern, die vom CHARGE-Syndrom betroffen sind, potenziert sich der Schwierigkeitsgrad, da sie neben der häufig vorliegenden Seh- und Hörbehinderung auch Beeinträchtigungen im vestibulären, propriozeptiven, olfaktorischen und gustatorischen Bereich aufweisen und Schwierigkeiten in homöodynamischen Prozessen haben.

Darüber hinaus liegen zahlreiche organische Schäden vor wie bspw. schwere Herzfehler und Choanalatresie, was zu zahlreichen Operationen und damit verbunden zu häufigen Krankenhausaufenthalten führt. Dies nimmt wiederum Einfluss auf die Beziehung zu den Bezugspersonen. In der ersten Zeit, d.h. in den ersten Lebensmonaten oder –jahren liegt das Hauptaugenmerk auf den gesundheitlichen Erfordernissen des Kindes bzw. darauf, dass das Kind nicht stirbt. Aspekte des sozialen Miteinanders geraten oftmals aufgrund der Dringlichkeit der weiteren Problemfelder in den Hintergrund.

Ziel des Projekts ist es daher, frühe Dialoge zwischen Eltern und Kind in Form von Videoanalysen computerbasiert auf quantitativer und qualitativer Ebene zu untersuchen und die Ergebnisse national und international zur Diskussion zu stellen, um anhand dieser Grundlagenstudie weitere Impulse für die Forschung und in der Folge auch für den praktischen Umgang mit Kindern mit CHARGE-Syndrom geben zu können. Die Videodaten sowie erweiterte Randdaten zu 14 an der Studie teilnehmenden Eltern-Kind-Paaren in Form von Videographien wurden bereits im Zuge des Promotionsvorhabens erhoben. Auch sind bereits zahlreiche Analysen auf Makro- (Mittelwerte und Standardabweichungen, Korrelations- und Varianzanalysen) und Mikroebene (Übergangswahrscheinlichkeiten, Zeitreihenanalysen, bildbasierte Einzelfallanalysen) durchgeführt und erste Diskussionen und Interpretationsansätze geleistet worden. Jedoch fehlt der umfassende nationale als auch internationale Austausch. Dieser Austausch der eruierten Ergebnisse ist jedoch von herausragender Bedeutung, da die Literaturlage zum Themenkomplex CHARGE-Syndrom in Verbindung mit Aspekten der Kommunikation und des Dialogs als ausgesprochen rudimentär bezeichnet werden muss und die Daten ausschließlich durch einen intensiven Austausch umfassend erfasst und interpretiert werden können. Auch können nur auf diese Weise eine methodische Diskussion sowie Weiterentwicklung der verfolgten Methodik erreicht und die bereits vorliegenden Daten im Hinblick auf weitere bislang unberücksichtige Aspekte analysiert werden.

Kontakt
Prof. Dr. Ursula Horsch, Andrea Wanka (Fakultät I)
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Dienstgebäude: Zeppelinstr. 3, 69121 Heidelberg