Verfahren zur Erstellung taktiler Grafiken für Blinde

Antragsteller/in: Prof. Dr. Paul Nater, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Abt. Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
Fördersumme: 8.000 €
Jahr: 2007

Zusammenfassung
Im vorliegenden Projekt wurden Tastobjekte auf Folien mit denen auf Schwellkopien verglichen und bewertet. Dazu wurden 18 Tastfolien und 15 Schwellkopien hergestellt. 16 blinde Probanden testeten diese vor allem auf Lesbarkeit der Grafiken und der Blindenschrift. Sie beurteilten außerdem die Haltbarkeit der Trägermedien. Insgesamt wurden 117 Tastmedienpaare (jeweils Tastfolien und Schwellkopien) getestet. […]

Die Arbeiten, die diesem Bericht zu Grunde liegen, gliedern sich in zwei Gruppen:
Für den ersten Teil in Abschnitt 4 wurden 15 Tastgrafikpaare entworfen und hergestellt. Jeweils der eine Teil des Paares befindet sich auf einer Tastfolie, deren Grafik- und Textelemente auf mehreren Tastebenen verteilt sein können. Der andere Teil von jedem Paare befindet sich auf einer Schwellkopie, die nur eine Tastebene ausbilden kann. Beide Teile sollten weitestgehend den gleichen Inhalt haben. Durch die Eigenschaften der Schwellkopie musste der ursprüngliche Entwurf für Tastfolien, insbesondere wenn ein hoher Informationsinhalt vermittelt wurde, aufwendig reduziert werden. Die Paare wurden von 16 blinden Probanden unter anderen nach den Gesichtspunkten der Erkennbarkeit von Grafikelementen, der Erkennbarkeit der Schrift, der Zulässigkeit von Informationsreduktionen in Schwellkopien und der Haltbarkeit des Trägermaterials evaluiert. Da der zeitliche und technische Aufwand bei der Herstellung einzelner oder weniger Grafiken für Schwellkopien günstiger ist als für Tastfolien, können die vorliegenden Ergebnisse zur Entscheidungsfindung für die Wahl des Tastmediums herangezogen werden.
Der zweite Teil im Abschnitt 5 stellt die effiziente Herstellung von Schwellkopien sowie das Erreichen eines hohen Qualitätsstandards mit den vorhandenen Geräten in den Fokus. Die Qualität wird bereits beim Entwerfen, durch die Farbbeschichtung (Drucken und Kopieren) sowie durch die Handhabung des Schwellkopierers (Fuser) beeinflusst. Hierin werden die einzelnen Fertigungsschritte Drucken und Schwellkopieren betrachtet und Hinweise zur Eigenschaft und zur Handhabung der Geräte gegeben.
Herr Dr.- Ing. Gerd Schneider, Leiter des Arbeitsgebietes „Rehabilitationstechnik / Neue Medien“ im gleichen Institut unterstützte uns durch die Bereitstellung der Fräsmaschine zur Herstellung von Matrizen sowie der Tiefziehmaschine zum Formen der Tastfolien.

16 Mitglieder des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin gegründet 1876 e.V., einschließlich seines Geschäftsführers Herrn Manfred Scharbach stellten sich als Probanden geduldig und auch kritisch zum Testen der Grafiken bereit. Frau Jana Noack, selbst erblindet, belebte als Studentin durch ihr Engagement die Seminare „Entwerfen und Herstellen von taktilen Grafiken für Blinde“, die dieses Projekt begleiteten. Sie gab ihre Tasterfahrungen an die Seminarteilnehmer weiter und entwarf zusammen mit ihren Assistenten drei Tastgrafikpaare.
Ohne die Mitwirkung aller wäre die Arbeit nicht zu Stande gekommen. Allen Beteiligten, auch den Nichtgenannten, möchten wir unseren Dank aussprechen.